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Welcome to our echo chamber.

Der Fluch der Mondflügel

[written by Moonlight]

 

Es gibt eine Sage, dass Menschen in der Nacht zu Fledermäusen werden. Wenn der Mond am höchsten steht und selbst die Sonne schläft, dann kommen sie zusammen, denn sie wollen ein neues Leben... Für einen schrecklichen Preis!

Als die Turmuhr zwölf schlug, war es verdächtig still. Doch plötzlich war ein Flattern zu hören. Es schwellte an, wurde immer lauter. Dann schossen die ersten Fledermäuse aus den Häusern. Sie steuerten einen Hügel an. Mitten auf dem Hügel stand eine kleine, weiße Kapelle. Kurz darauf war sie bunt gesprenkelt. Farbig von den Fledermäusen, die sich an ihre Wände krallten. Noch war die Luft von Lachen, Flüstern und Erzählen gefüllt. Aber das würde sich bald ändern, denn nun trat eine riesige, grauhaarige Fledermaus in ihre Mitte. Blitzartig verstummten alle. "Freunde," sagte er, "bald ist es soweit! Bald werden wir von unseren Leiden erlöst sein!" Die Menge johlte. Alle waren begeistert. Die Fledermaus hob den Flügel. "Ich habe endlich eine der Götter erreicht. Sie will uns Leben schenken!" Jemand rief: "Wer ist sie?" Der Anführer lächelte, als er den Namen aussprach: "Selene!" Ein Raunen ging durch das Volk. "Es gibt allerdings einen Hacken. Sie will, das wir ihr in jeder Vollmondnacht ein Leben opfern. Bis alle Seelen zurückgezahlt wurden, denen sie Leben geschenkt hat!" Nun war es totenstill. Niemand sagte mehr etwas. "Und nun wollen wir sie rufen!" Er fing an zu singen:

"Wenn der Tag zur Nacht wird
und das letzte Licht stirbt,
dann erscheinen wir,
denn wir wollen zu dir.
Erhöre unsere Bitte
und trete in unsre Mitte!
Du, oh Königin vom Mond,
verwandle uns noch diese Stund'!
Kinder, Männer, Frauen,
alle wollen es erlangen.
Das Glück, das uns so nah erscheint,
aber doch nicht unter uns weilt.
Und nun erhöre unsere Bitte
Und trete in unsre Mitte!"

Gleißendes Licht flammte auf, als er fertig gesprochen hatte. Das Licht formte sich zu einem Kopf. Ein gruseliger Kopf. Auf der Nase wuchs ein spitziges Horn und an Stelle der Ohren waren zwei kleine Muscheln angebracht. "Ihr habt mich gerufen! Und ich frage euch ein letztes Mal: Wollt ihr ein neues Leben? Verflucht zwar, aber ohne Sorgen und Ängste!" Nur der Anführer traute sich zu antworten: "Ja, oh Selene! Das wollen wir! Am liebsten noch bevor die Sonne aufgeht." Selene fing an zu lachen. Es war ein hämisches und fieses Lachen. "Wie ihr wollt! So soll es geschehen. Beim nächsten Vollmond werdet ihr für immer Fledermäuse bleiben." Und dann verschwand sie wieder. Lange Zeit wurde nichts gesprochen. Bis es am Horizontende immer heller wurde. "So, Freunde! Kehrt nun zurück zu euren Familien, die zu spiessig sind, als dass sie Träume hätten!" Nun war die Luft wieder mit Flügelgeflatter erfüllt. Auch der Anführer kehrte sich seinem Heim zu.

Und dann kam die Nacht der Nächte. Die Vollmondnacht! Es war eine düstere Nacht; immer wieder schoben sich Wolken vor den runden Mond. Die Fledermäuse drängten sich dicht aneinander, als ihr Anführer erschien. "Freunde," sprach er, "jetzt ist es soweit! Wir werden von unserem Leid erlöst! Rufen wir nun Selene!" Alle begannen das Lied zu singen. Noch bevor sie geendet hatten, erschien Selene. Sie schien ein wenig genervt zu sein. "Na schön! Tretet einzeln vor und ich spreche den "Segen" über euch!" Der Anführer schaute die Fledermäuse an, die verängstigt zurückstarrten. "Wer will zuerst?" Ein kleiner Junge schoss hervor. "Ich, ich!" Der Anführer lächelte ihn aufmunternd an und schob ihn Selene zu. "Wie heisst du?" "Derreck!", sagte der Kleine ohne Scheu. "Deine Lieblingsfarben?" "Türkis und schwarz!" "Ok." Sie legte ihm ihren haarigen Flügel auf den Kopf und sprach die magische Formel. Derreck spürte nur in feines Kribbeln, doch die Andern sahen mit Staunen, dass er jetzt ein leuchtendes Türkis trug. "Dein Name ist ab jetzt Mirco Mondflügel! In der Nacht wirst du dieses häßliche Türkis tragen und am Tag ein schlichtes Schwarz. Der Nächste!" Eine rothaarige trat vor. "Ich bin Sina und meine Lieblingsfarben sind rot und gelborange!" Und so ging es weiter, bis alle Fledermäuse eine neue Fellfarbe und einen neuen Namen hatten. Als Letzter wurde der Anführer "gesegnet". "Name und Farben?" "Mein Name ist Lucas Tom Leonardus und meine Farben silbergrau und purpur!" Selene seufzte: "Na schön! So soll es sein," sprach dann die Zauberformel und sagte: "Dein Name ist ab heute David! Und den Rest weißt du ja!" Dann verschwand sie. Am Horizont ging bereits die Sonne auf. "Also Freunde, wir suchen und jetzt ein Quartier. Kommt!" Sie folgten David der aufgehenden Sonne entgegen. "Wie ist das eigentlich mit den Opfern gemeint?", fragte Mirco seinen neuen Freund Michael. "In jeder Vollmondnacht müssen wir jemanden opfern! Sei es aus unserer Kolonie oder nicht! So müssen wir alle Seelen zurückzahlen, denen Selene Leben geschenkt hat," sagte eine tiefe Stimme hinter den beiden. Mirco drehte sich um und blickte in die freundlichen, aber ernsten, Augen von einer giftgrünen Fledermaus. "Und wie lange dauert das?", fragte Michael. "Wir wären frühestens in 500 Jahren fertig. Aber Fledermäuse vermehren sich! Selene ist schlau!" Er seufzte. "Von wegen keine Sorgen mehr!" Ein gemeines Lachen durchschnitt die Luft. "Schlaues Kerlchen! Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr! Ihr seid verflucht. Bis in alle Ewigkeit! Hahaha!" Selenes Kopf war an einer Felswand erschienen. "Nehmen wir an, ihr seid etwa 10'000 Fledermäuse und pro Jahr gäbe es dann auch noch so um die 5000 Babys, denen ich natürlich auch wieder Leben schenken würde." Ihr schmieriges Lachen drang durch Mark und Bein. "Rechnet also mal schön. Schönen verfluchten Tag euch noch!" Sie verschwand und zurück blieb eine neue Kolonie; die Mondflügel! Fortan verflucht steigerten sie sich immer mehr in den Opferwahn hinein. Nur ab und zu blieben ein paar "weisse" Seelen zurück, doch meistens wurden genau diese veropfert, denn der Fluch kann nur gebrochen werden, wenn alle Seelen zurückgezahlt sind! Also sei vorsichtig, mit dem was du dir wünschst, denn es könnte in Erfüllung gehen und du wärst verflucht!




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