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Welcome to our echo chamber.

Die Suche nach dem wahrem Ich

[written by Moonlight]

 

Simon Silberflügel seufzte, breitete seine Flügel aus und flog los. Wohin wusste er nicht! Einfach weg von hier, weg von diesem verfluchten Ort! Traurig schaute Simon zurück und dachte noch einmal an den vergangenen Tag zurück.
Er war müde vom Jagen zurückgekehrt und hatte sofort geschlafen. Schön und gut, aber am nächsten Abend kam dann die böse Überraschung; seine Kolonie war weg, einfach verschwunden! Zuerst dachte Simon, sie wären alle beim Jagen, doch als sie auch um Mitternacht noch nicht zurückgekehrt waren, wurde ihm klar, dass sie ihn loswerden wollten! Der Silberflügeljunge konnte sich lebhaft vorstellen, wie seine Mutter ihn ein letztes Mal gedrückt hatte und dann mit Tränen in den Augen, den andern folgte. „Und alles nur wegen dieses verfluchten Ringes!“, wütend starrte Simon das Stück Metall an seinem Unterarm an. Er flog und flog, ohne zu wissen wohin. Ohne Echokarte war das ein Kunststück!
Mandy Mondflügel stöhnte auf, als Secret Sonnenflügel abermals anfing zu motzen! „Kannst du nicht ein, nur einmal, für fünf Minuten die Klappe halten?!? Mir ist dasselbe widerfahren wie dir!“ Secret schluckte und schwieg beleidigt. Plötzlich fiel sein Blick auf ein Jungtier vor ihnen. „Hey! Du da! Warte mal!“
Erschrocken drehte sich Simon um und erblickte einen Sonnenflügel mit feuerroten Haaren und einen goldenen Mondflügel. „Wer seid ihr?“, fragte er. „Ich bin Secret Sonnenflügel, wurde von meiner Kolonie verbannt wegen meines Ringes und das ist Mandy Mondflügel, ewige Motzerin und auch Ringträgerin!“, plapperte der Sonnenflügel drauf los und fing einen Blick von Mandy ein, von denen man nachsagte, dass sie töten könnten! Einen Moment lang war Simon perplex, fing sich dann aber schnell wieder und sagte: „Ich bin Simon Silberflügel und wurde auch von meiner Kolonie verbannt!“ Er zeigte seinen Ring, der silbergrau im fahlen Mondlicht schimmerte. Auch der Sonnenflügel streckte seinen Flügel aus. Sein Ring war allerdings nicht grau, sondern golden. Auch die Mondflügelin streckte ihren Arm aus und ein roter kam zum Vorschein. Simon landete auf einem Ast. „Es geschah gestern Nacht! Sie sind einfach verschwunden...“, er brach ab. Zwei Flügel legten sich um seine Schultern. Eine Weile saßen sie nur so da. Schliesslich brach Mandy das Schweigen: „Willst du mit uns kommen?“ Es war das erste Mal, das die hübsche Mondflügelin sprach. „Wohin fliegt ihr den?“, eine melancholische Stimme ließ die Drei zusammenzucken. Sie drehten sich um und schauten einem türkisfarbenen Wasserflügel in die Augen. „Wer bist denn du?“ Die Wasserflügelin lachte auf. „Ich bin Wendy Wasserflügel!“ Die Drei stellten sich vor. „Kann ich auch mit euch kommen?“, fragte Wendy ohne zu Zögern. „Warum eigentlich nicht?“, sagte Secret, „Dann ist das Geschlecht zumindest ausgeglichen!“ Nun war die Sache klar und sie suchten sich einen Schlafplatz. In einem hohlen Baum wurden sie schliesslich fündig. Erschöpft hängten sie sich hin und waren bald eingeschlafen.

Sanfte Stöße weckten Simon am nächsten Abend. Er schlug die Augen auf und sah direkt in das liebliche Gesicht von Mandy. „Gut geschlafen?“, flüsterte sie. Er nickte. Draussen schien es immer noch hell zu sein. Der Silberflügel richtete sich richtig auf und bemerkte, dass Wendy und Secret noch schliefen. „Komm!“ Simon streckte den Flügel nach Mandy aus und sie ergriff ihn. Gemeinsam flogen sie nach draussen und suchten sich einen geeigneten Platz, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Gerade noch rechtzeitig fanden sie einen schönen Ast auf einer hohen Tanne. Mandy lehnte sich an Simon und seufzte. „Wow,“ dachte Simon, „das ging ja schnell! Ich kenn‘ sie kaum seit einem Tag!“

„Hmmhmm!“ Hinter ihnen räusperte sich jemand. Simon drehte sich um, Secret flog an ihm vorbei und hängte sich neben den Silberflügel. „Na, gut geschlafen?“ Das Gesicht, welches unter dem verstrubbelten „Feuerhaar“ zu erahnen war, nickte. „Kommst du jagen?“ „Gleich! Geh doch schon mal vor,“ stimmte der Junge zu. „Komischer Kauz!“, murmelte Mandy kaum verständlich. „Was?“, fragte Simon irritiert. „Ach, seit gestern ist er wie ausgewechselt! Vorher war er immer schlecht gelaunt und hat über alles und jeden gemotzt. Und seit du da bist...“, die Mondflügelin verstummte. Simon grinste. „Ich muss magische Kräfte besitzen! Wuuaaah!“ Lachend flüchtete Mandy.

Nach einem ausgiebigen „Frühstück“ zogen die vier Fledermäuse weiter. „Wohin fliegen wir?“, grunzte Secret nach einer Weile und er und Simon brachen in Gelächter aus. Kopfschüttelnd und seufzend flogen Wendy und Mandy weiter.

Es musste etwa Mitternacht sein. Simon uns seine neuen Freunde flogen schon sechs Nächte lang, doch noch immer kamen keine südlichen Sterne zum Vorschein! Langsam wurde der Silberflügel ungeduldig. Schliesslich hatten die Ältesten seiner Kolonie erzählt, dass sie nach zirka fünf Nächten Flug Orion* zu Gesicht bekommen würde. Doch die nördlichen Sterne blieben, wie sie waren. „Hörst du das auch?“ Nervös starrte Secret Richtung Süden. „Was ist?“ Seit einiger Zeit wurde Secret nervöser und zappeliger. Das beunruhigte Simon. „Dieses Geräusch...Da ist es wieder!“ Und tatsächlich ertönte ein regelmäßiges „Flap, Flap, Flap!“. „Jetzt hör ich‘s auch! Was kann das sein?“ „Secret hat ein super Gehör! Dass muss man ihm lassen!“, dachte sich der Silberflügel. Das Geräusch war inzwischen unnatürlich laut und plötzlich tauchten am andern Ende de Waldes, über dem sie sich gerade befanden, zwei grelle Lichter auf. Erschrocken gab Simon den Befehl, dass sie landen sollten.
„Flap, Flap, Flap!“ Secret preßte die Flügel auf seine Ohren. Er hasste sie. Kilometerweise hörte er Geräusche und Stimmen. Er hatte bereits zwei Mal eine Ohrenentzündung gehabt. Und dann waren sie auch noch so übergroß! Secret hatte zur Beruhigung die Augen geschlossen und öffnete sie jetzt wieder. Er stiess einen schrillen Schrei aus und flog dem Menschen ins Gesicht. Wütend schlug dieser um sich und erwischte einen Flügel. Es machte kurz „Ratsch“ und er hielt einen blutigen Ring in der Hand. Secret trudelte zu Boden. Erschrocken starrte Simon den Sonnenflügel an. Er hatte vor dem Menschen flüchten können. Nun wurde der zuckende Secret in einen Behälter gepackt und zur Flugmaschine der Menschen getragen. Versteckt hinter einem Baum beobachtete der Silberflügel die Menschen weiter. Plötzlich ertönte ein schriller Schrei. Mandys Schrei!!! Törichterweise verließ Simon sein Versteck und wollte Mandy zur Hilfe eilen, doch da wurde auch er gepackt. Er sah noch, wie Wendy auf einem Ast hockte und gebannt zusah, wie ihre Freunde in der Flugmaschine verstaut wurden. „Wendy,“ kreischte Simon, „flieg weg! Schnell Rette dich!“ Die Wasserflügelin schien ihn zwar gehört zu haben, tat aber nichts dergleichen und wurde auch von den Menschen erfaßt. Plötzlich spürte Simone einen Stich und dann wurde er bewußtlos...

„Flap, Flap, Flap, ...!“ Mandy hörte ein seltsames Geräusch. Sie schlug die Augen auf und sag ihre Freunde auf dem Boden liegen. Wendy und Simon schlummerten friedliche, doch Secret zitterte am ganzen Körper. Die Mondflügelin beschloß, erst einmal die andern zu wecken. „Simon,“ rief sie, „Simon! Wach auf!“ Aber der Silberflügel war nicht wach zu kriegen. Sie probierte es bei Wendy und bei ihr hatte sie Glück. „Um Simon mußt du dir keine Sorgen machen! Das ist normal! Er wird bald aufwachen!“ Wendy hielt inne und betrachtete den Sonnenflügel. „Allerdings mache ich mir um Secret ziemliche Sorgen.“ Die Wasserflügelin flog zu ihm hin und legte ihren Flügel auf seine Stirn. „Fieber, wie ich mir gedacht habe!“ „Was ist das?“, fragte Mandy, „Fieber?“ „Erhöhte Körpertemperatur,“ murmelte Wendy abwesend und schaute sich suchend um. „Nicht mal Wasser gibt es hier! Zu dumm!“ Sie flog wild hin und her und Mandy bemerkte, dass in ihrem rechten Flügel ein Pfeil steckte. „Oh! Schau mal!“ Sie ging zu ihr hin und zog ihn hinaus. Es blutete leicht. „Du hast auch einen!“ Die beiden Weibchen fanden heraus, dass alle solche komischen Spitzteiler in ihren Flügeln hatten.

Simon war inzwischen aufgewacht. Gemeinsam berieten sie, was zu tun war. „Hört ihr das?“, fragte Simon plötzlich. „Was? Ich höre nichts!“ „Eben! Dieses „Flapen“ hat aufgehört. „Was passiert denn jetzt?!“ Mandy kreischte erschrocken auf. Sie wurden hin und her geschleudert. Dann standen sie einen Moment still und wurden dann wieder ordentlich durchgeschüttelt. Auf einmal stöhnte Secret. „Wo sind wir denn? Autsch mein Kopf! Wieso werden wir so geschüttelt? Sind wir in einer Cocktailmaschine? Mir ist ja ganz schlecht!“ Simon packte Mandy am Flügel und sie bildeten eine Kette. Der Silberflügel hielt sich an einer hervorstehenden Schraube fest und rüttelte daran. Sie schien ziemlich stark angezogen worden zu sein, doch plötzlich gab sie nach und die vier Freunde flogen in hohem Bogen aus dem „Kübel, in dem sie festgesessen waren. Secret stöhnte abermals. „Schaut euch doch mal meinen Flügel an!“ „Mit Recht,“ warf Mandy ein, „der sieht wirklich nicht schön aus! Aber mal was anderes; Wo sind wir?“ Erst jetzt sah sich Simon richtig um. Sie befanden sich in einem Raum. Die Wände erstrahlten nur so vor weiss! Plötzlich öffnete sich eine Tür und zwei Menschen, ebenfalls in weiss gekleidet, traten ein. Sie schienen miteinander zu reden, jedenfalls bewegten sie ihre Lippen und gaben tiefe, brummige Töne von sich. Der eine ging geradewegs auf Secret zu und nahm ihn mit. Simon wollte ihm nachfliegen, doch Wendy hielt ihn zurück. „Lass ihn! Er kommt schon zurecht!“ Plötzlich waren sie in einem Netz gefangen. „Und das passiert jetzt also mit uns. Toll!“ Wütend starrte der Silberflügel das Weibchen an. Sie wurden durch eine weitere Tür transportiert. Feuchte, drückende Luft schlug ihnen entgegen. „Phu,“ seufzte Mandy, „das ist vielleicht heiß hier!“ Das Netz verschwand und die Fledermäuse waren wieder frei. Vor ihnen tat sich ein Dschungel auf. Zögernd flog Simon auf den nächsten Baum zu. Die beiden andern folgten ihm. Eine Weile starrten die Drei den Dschungel an.
„Hey, ihr da!“ Eine Stimme ließ sie zusammenzucken. „Seid ihr neu? Ich habe euch noch nie gesehen,“ eine grosse Fledermaus kam auf die beiden Weibchen und das Männchen zu, „Ich bin übrigens Fiona Fay Flughund, aber ihr könnte mich auch Fee nennen! Wer seid ihr?“ Wieder einmal musste Simon staunen, wie redefreudig einige doch waren. „Ich bin Simon Silberflügel, das ist Mandy Mondflügel, das Wendy Wasserflügel und dann wäre da eigentlich noch Secret Sonnenflügel!“ „Sommerflügel?“, fragte die Flughündin. „Nein, Sonnenflügel, wieso?“ „Ach, bei uns gibt es ein paar Sommerflügelschnepfen! Und wo ist dieser geheimnisvolle Secret?“, gab Fiona von sich. Simon schaute Wendy an. „Wo ist er eigentlich?“ „Beim Verarzten,“ sagte sie, als wäre es das selbstverständlichste der Welt! „Ja, genau da war ich! Aber wieso weißt du das?“ Secret tauchte auf. Mit einem verbundenen Flügel! „Ich kann Gedanken lesen!“ „Echt? Ist ja cool,“ Fiona schaute sie bewundernd an. „Pf! Sie hat mich nur kommen sehen! Das ist alles.“ „Secret ist wieder ganz der Alte,“ dachte Mandy, „na ja, fast! Bis auf das Fieber ist er kuriert.“ „Ähm, Fiona?“, nahm Simon den Gesprächsfaden wieder auf, „Wo sind wir?“ „Im Zoo!“, war die knappe Antwort. „Zoo?“, riefen die vier erstaunt. „Ja, schaut da drüben steht es!“ Sie zeigte auf ein Schild mit menschlichen Zeichen. „Ach so,“ machte Secret, „du kannst also lesen?!?“ Fiona lachte: „Ich nicht, nein! Um Stella Lunas Willen! Leonardus Lucas Langohr XVI. kann lesen.“ Mandy gluckste. „Bei einem solchen Namen erstaunt‘s mich nicht!“ Auch die andern lachten. „So, genug gelacht! Ich zeig euch mal euer neues Heim!“ Secret kippte vom Ast.
Simon setzte ihm nach und erwischte ihn noch am Kragen. „Was sollte denn das werden?“, fragte er ärgerlich. „Es haute mich nur vom Sattel, wegen diesem „neuen Heim“!“ „Umhauen ist gut,“ warf Fiona ein, „umgekippt wie ein Sack voller nasser Blätter bist du!“ Mandy und sie lachten.

„Und das, meine lieben Freunde, das ist der „blaue Wasserfall“! Dahinter befindet sich eine kleine Höhle, in der es die besten Bärenspinner seit Generationen gibt...“ Secret entfernte sich ein bisschen von den andern, die gespannt Fionas Vortrag lauschten und ging allein auf Entdeckungstour. Plötzlich hörte er ein Kichern! Er sah sich um und entdeckte zwei Weibchen mit orange-rosa Haaren und einem Fell, in der Farbe von Crème Caramel! „Hi,“ sagte Secret mit seiner besten Stimme, „wer seid den ihr zwei Süssen?“ Die beiden kicherten wieder, wobei sich der Sonnenflügel dachte, dass es sich wie Maiglöckchen im Sommer anhöre. „Ich bin Maria Sommerflügel und das hier ist meine Schwester Sonja Sommerflügel! Und wer bist du?“ Secret war hin und weg von ihnen. „Ich bin Secret Sonnenflügel!“ Die beiden kicherten abermals. „Was hast du denn am Flügel?“ Secret schaute verdutzt auf seinen Flügel und bemerkte, dass er immer noch einbandagiert war! „Ach, ich habe nur mit einem Menschen gekämpft! Ich habe ihn sogar zu Boden gebracht!“ Die Sommerflügelweibchen stiessen bewundernde Rufe aus. „Erzählst du uns deine Geschichte?“ Secret nickte und fragte: „Wo gibt es denn einen geeigneten Platz?“ Maria sag ihre Schwester an, die nickte und schliesslich führten sie Secret zu einer Hütte. Sie hängten sich an eine Wand und Secret begann zu erzählen. Davon, wie er im Dschungel gewesen war und beringt wurde, wie er Simon, Wendy und Mandy traf und von der Flugmaschine, in der sie geflogen waren. Natürlich nicht, ohne sie vorher ein bisschen auszuschmücken!
„Genau wie Mike-Leon!“, seufzte Sonja, als er geendet hatte. „Mike-Leon?“, fragte Secret verwirrt und irritiert zugleich. „Ihr Verlobter! Er ist ein Glanzflügel!“ Verschwörerisch blinzelte Maria ihm zu. „Du bist ein richtiger Held!“ Secret wurde rot. „Naja, so würde ich’s auch wieder nicht nennen...“ „Hey Secret,“ Mandys Stimme unterbrach Secrets Geschwätz, „wo warst du denn?“ Sie hängte sich neben die andern. „Fiona hat uns die ganze Gegend gezeigt! Es ist toll hier!“ „Hmhm!“, Maria räusperte sich geräuschvoll. „Oh, hi! Wer seid ihr denn?“ Secret stellte sie vor. „Du hast ja gar nichts von einer „Freundin“ erzählt!“ Maria klang sauer und eifersüchtig zugleich. „Ganz einfach,“ stellte Secret richtig, „weil Mandy auch Simons Freundin ist und nicht meine!“ Wie aufs Wort kamen Simon, Wendy und Fiona aus den Bäumen. Simon flog zu Mandy hin und legte ihr den Flügel um die Schulter. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr und sie nickte. Zu Fiona gewandt sagte er: „Wir haben gedacht, wir schauen uns die Gegend noch etwas genauer an! Ist das Ok?“ Fiona nickte und zwinkerte fröhlich. Sie schien ihren Job zu genießen, als Fremdenführerin. Simon und Mandy flogen davon, auf der Suche nach einem ruhigen Platz, an dem sie ungestört waren. Auch Maria und Secret machten sich aus dem Staub. Nun waren Fiona und Wendy allein. (Sonja war schon längst verschwunden!) „Na, und was machen wir? Stimmt es, dass du Gedanken lesen kannst?“ Wendy lachte: „Nein, Gedankenlesen nicht, aber in die Zukunft schauen! Möchtest du es lernen?“ Begeistert nickte Fiona und die beiden Weibchen verbrachten die restliche Nacht damit, das Zukunftschauen zu lernen.

Tage vergingen, an denen immer etwas zu tun war. Doch von Tag zu Tag wurde Simon mürrischer. „War das das, welches er gewollt hatte? War es das wirklich?“ Er vermißte die kühle Nordluft draussen, das Herumfliegen, die heimatlichen Bäume, den Mond, ...
Manchmal suchte er die Glasdecke nach Öffnungen ab. Nur ein kleiner Spalt, durch den er sich hätte zwängen können. Doch seine Suche blieb erfolglos. Er erinnerte sich an Schatten Silberflügel, die wandelnde Legende der Silberflügelkolonie. Er war auch einmal in einem Glashaus gefangen gewesen! Was hatte er gemacht? „Der Bach!“, fiel Simon ein. Der Silberflügel ließ sich fallen und suchte nach einem Bach, der in der Wand verschwand. Doch es gab keinen Bach! Nur einen Wasserfall, welcher, nachdem er in ein Becken gefallen war, wieder nach oben gepumpt wurde. „Simon!“, der Junge wurde unsanft aus seinen Tagträumen gerissen. „Mandy, was machst du denn hier?“ Er schaute in ihr trauriges Gesicht. „Was ist?“ „Ich wollte dir nur sagen, dass dich Leonardus sprechen will!“ Sie drehte sich um und wollte wegfliegen. „Mandy, warte!“ Schnell flog er zu ihr hin und nahm sie in den Arm. „Es tut mir Leid!“, flüsterte der Silberflügel und dann flog er zu Leonardus.

„Leonardus? Du wolltest mich sprechen?“ Simon flog in die dunkle Höhle, in der Leonardus hauste. „Ja, Simon! Das wollte ich! Komm, häng dich zu mir!“ Simon tat, wie ihm geheißen. „Simon, Mandy hat mir erzählt, dass du schon seit Tagen nach einem Ausgang suchst! Sie war sehr traurig!“ Simon schwieg und starrte zu Boden. „Was ist dir wirklich wichtig? Frische Luft, Freiheit und allen möglichen Kummer oder hier Freunde, Geborgenheit, frei von allen Sorgen und immer genug zu Essen...!“ In seinen Augen spiegelten sich Wärme und Wünsche! Simon beschloß, zu gehen. Leise stahl er sich aus der Höhle des Ältesten. Dann ging er zur höchsten Palme und hängte sich daran. Bald darauf fiel er in einen Schlaf voller seltsamer Träume.

Am nächsten Abend konnte sich Simon nicht mehr an seine Träume erinnern, doch die Frage von Leonardus hatte ihn zum Nachdenken gebracht. Die ganze Nacht blieb Simon starr an seiner Palme hängen und nur Wendy kam einmal kurz vorbei, um ihm ein paar Insekten zu bringen. Kurz nach Ende der Nacht hatte er einen Entschluß gefaßt. Er rief Mandy, Secret und Wendy zu sich. Secret maulte erst ein wenig, kam dann aber recht schnell.
„Freunde, wir kennen uns jetzt schon recht lange. Um genau zu sein zwei Monate und fast neun Tage! Wie ihr sicher wisst, war ich in den letzten Tagen ziemlich störrisch und sauer.“ Simon legte eine Kunstpause ein, in der Secret einen überraschten Laut ausstieß. „Aber nun habe ich mich entschieden! Als ich beringt wurde, habe ich nicht gedacht, dass ich noch einmal solch gute Freunde finden würde. Aber wie ihr seht, gelang es mir! Ich habe mein wahres Ich gefunden und möchte euch danken! Jetzt habe ich entschieden; Mandy, Wendy, Secret“, er schaute jedem in die Augen, „ich bleibe auf ewig bei euch! Ihr habt mich bis an mein Lebensende am Hals.“ Er flog auf sie zu und schloss sie in die Arme. Fiona und Maria fingen an zu klatschen. „Das war eine sehr bewegende Rede, Simon! Ich hätte nicht gedacht, dass du dich so schnell entscheidest! Bravo!“ Überrascht drehten sich die Sechs um und erblickten Leonardus Lucas XVI. Freudestrahlend grinste Simon das Langohr an. „Und nun kommt! Es gibt eine grosse Party! Euch zu Ehren!“ Die Vier jubelten. Simon sah seine Freunde an. „Nicht einmal die Freiheit und die Frische der Natur kann mich abhalten, euch als Freunde zu haben! Danke! Danke für alles!“




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